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itw A Journey on Moving Grounds

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itw A Journey on Moving Grounds


Wie habt ihr zwei euch kennengelernt?
Wir haben uns 2017 bei der Produktion von Moscou Paradis kennengelernt, einem Projekt der Compagnie NOF. Lea Hobson war die Bühnenbildnerin und Nicole Morel die Choreographin des Stücks.

Ihr Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen einer Architektin und einer Tänzerin - wie kommen diese beiden sehr unterschiedlichen Bereiche zusammen? Finden sie zueinander? Finden sie einen gemeinsamen Dialog?
Zunächst einmal hat jede ein Interesse an der Disziplin der anderen. Jede von uns hat auch in den bisherigen Arbeiten Raum und Bewegung eingesetzt.
Als Architektin und Szenografin hat Lea Hobson, die selbst seit langem schon in ihrer Freizeit tanzt, den Körper immer in den Mittelpunkt ihrer Installationen gestellt.
Architektur ist nicht bloss ein gebautes Objekt, sondern erwacht durch die Anwesenheit von Körpern zu Leben und Form. Die Beziehung zwischen Körper und Raum ist Grundlage der Architektur. Bei diesem Stück ist Architektur sowohl ein konstruierter Rahmen, als auch der Kontext, der "Hintergrund", der Ort, an dem die Performance gespielt wird, der sich jedes Mal ändert. Dieses Hin und Her von Kontext und Dekor ist eng mit der Bewegung des Körpers verbunden. Beide tauschen sich aus und passen sich aneinander an. Das Bühnenbild wird lebendig und die Geschichte entfaltet sich durch die Bewegung der Körper.
Nicole Morel interessiert sich als Choreografin und Tänzerin besonders für die Beziehung von Körper und Umwelt. Sie beschäftigt sich schon seit langem mit Architektur, fasziniert von den unterschiedlichen Zugängen zu dieser Kunst, die unsere Umwelt immer wieder neu zeichnet und formt.
Im Zentrum des Dialogs zwischen Architektur und Tanz von A Journey on Moving Grounds stand von Anfang an auf das tragische Handeln des Menschen bei der Zerstörung unseres Planeten. Hier wird von Hand und Körper der Raum dekonstruiert. Aber die Energie, die aufgewendet wird, um die Elemente zu trennen, könnte genauso leicht eingesetzt werden um sie zusammenzubringen.

Ist es notwendig, sich zu versammeln, eine Nähe herzustellen zwischen der Performance und dem Publikum?
Auf jeden Fall. Diese Performance muss Menschen zusammenbringen, sie dazu bringen, bauen zu wollen, mit diesen Modulen zu spielen und sich die Geschichte anzueignen. Die Performance ist nicht frontal, sondern lädt das Publikum ein, herumzugehen, sich dort zu platzieren, wo es will: nah, weit, sitzend, stehend....

Wollen Sie mit der Performance etwas anprangern, ein Bewusstsein schärfen?
A Journey on Moving Grounds versucht subtil, die globale Erwärmung zu thematisieren, die Menschen auf diesen Zerfall unserer Umwelt aufmerksam zu machen, indem sie das Bild des "Schmelzens" einer skulpturalen Insel zeigt, die einen Eisberg symbolisieren kann. Die Leichtigkeit der Bühnenelemente aus Styropor betonen die Zerbrechlichkeit unserer Umwelt gegenüber dem Menschen, der sie kontrollieren und bewegen will.

Warum versucht dieses Projekt, das Publikum durch das Bühnenbild einzubinden?
Bei dem Thema kann das Publikum nicht passiv sein. Das Publikum kann sich in der Szenografie bewegen, wo immer es will, und auch mit der Performance, dem Tanz, der Bewegung der Bühnenelemente interagieren. Er ist eingeladen, sich hinzusetzen, damit zu spielen.

Warum verwenden Sie keine Musik?
Der Klang des Styropors ist sehr interessant, quietschend, dezent und gleichzeitig kraftvoll. Wir wollten den Kontext der Performance hörbar machen, Rhythmus durch die Körper und nicht durch Musik erschaffen.

Wie haben Sie mit den Tänzer*innen ohne Musik gearbeitet?
Rhythmus und die Wahrnehmung der Zeit sind zwei Dinge, die sich vollständig von der Musik trennen lassen. Der Einsatz einer Stoppuhr und eines Metronoms während der Probenphase ermöglicht beispielsweise, die Körper anzupassen, zu harmonisieren oder rhythmisch zu teilen. Die Zeichen werden sichtbar. Sehen um zu handeln.

Ist ein Teil der Choreographie Improvisation?
Zwangsläufig. Es ist wichtig, sich die Fähigkeit zu bewahren, auf Unerwartetes zu reagieren! Wir wollen nicht alles optimieren, sondern verschiedene Wege gehen, um zu vorher vereinbarten Treffpunkten zu gelangen. Das Bewegungsmaterial reagiert auf vordefinierte Regeln, wobei jede*r im Moment frei komponieren kann.

In welchem Verhältnis stehen Sie zum diesjährigen Thema, der Wirkung?
Das Thema berührt uns sehr. Die Performance A Journey on Moving Grounds soll beim Publikum mit dem, was sie erzählt, etwas bewirken.

Welchen Impact erhoffen Sie sich von Ihrem Projekt oder, allgemeiner gesagt, von Ihrer künstlerischen Praxis?
Vor allem, Menschen zu berühren und Fragen und Überlegungen über unsere Welt zu anzuregen.